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Tonfilm Plakat
Tonfilm Plakat

Tonfilm ist geistiger Mord – die Argumentation aus den 1920er Jahren erinnert an die KI Debatte.

Fachartikel — 31. August 2026

Christian Rechmann

Geschäftsführung | Strategie

Das Bild zeigt ein Plakat gegen den Tonfilm (1929). Der Anlass war die Frage: wenn Filme sprechen können, was passiert dann mit den Kinomusikern, die aus Stummfilmen ein Live-Erlebnis gemacht hatten?

Aus heutiger Sicht wirkt das Plakat komisch: “Tonfilm ist Kitsch!” „Tonfilm ist Einseitigkeit!” „Tonfilm ist wirtschaftlicher und geistiger Mord!” Und doch erinnert mich die Argumentation an die Debatte rund um die Nutzung KI-generierter Stimmen.

In einer aktuellen Kampagne der Synchronsprecher:innen heißt es: „Künstlerische statt künstliche Intelligenz.” Ein guter Satz und ich möchte vorausschicken: Ich halte Sprecherinnen und Sprecher für einen wichtigen Teil des kreativen Prozesses bei jeglicher Vertonung, sei es Film oder Hörfunk, Podcast oder YouTube-Clip.

Dennoch glaube ich, dass die KI-Synchronisation kommt. Und ich glaube, dass sie an mancher Stelle sogar etwas verbessern kann:

> Wenn in Zukunft beispielsweise ein amerikanischer Schauspieler mit seiner eigenen Stimme und Betonung Deutsch spricht noch dazu lippensynchron, dann sind wir womöglich näher an der Originalfassung als bei vielen Synchronisationen.

> Wenn eine YouTube-Dokumentation dank KI-Stimmen in jeder gewünschten Sprache zugänglich ist, dann ist das für viele Zuschauer ein Gewinn.

> Und wenn Handelsblatt, Spiegel oder die Zeit ihre Artikel mit KI Stimmen vorlesen lassen, dann ist das ein zusätzlicher Service an den Leser:innen.

Aus meiner Sicht vermischt die Kampagne des VDS (Verband deutscher Sprecher:innen) zwei Themen:

Das eine ist, die Stimme eines Sprechers oder einer Schauspielerin zu klonen und weiterzuverwenden, möglicherweise ohne Einwilligung und Vergütung, um in Zukunft günstiger zu produzieren. Das ist kein Fortschritt, sondern Diebstahl.

Das andere ist, die Stimme eines Schauspielers, mit dessen Zustimmung zu nutzen und z.B. in eine andere Sprache zu übertragen, um das Ergebnis näher ans Original zu bringen.

Gegen den unberechtigten Missbrauch richtet sich die Kampagne zu Recht. Und dass die neuen Möglichkeiten künstlicher Stimmen mit Sorge beobachtet werden, ist verständlich. Ein Argument, die Technik aufzuhalten, ist das für mich nicht.

Auch der Tonfilm wurde 1930 nicht verhindert. Er hat Live-Musik im Kino überflüssig gemacht und zugleich entstanden neue Berufe und neue Formen des Erzählens, nicht zuletzt der Beruf des Synchronsprechens.

Deshalb scheint mir die entscheidende Frage nicht, wie verhindern wir KI-Stimmen? Sondern unter welchen Bedingungen darf KI menschliche Stimmen ersetzen (und wann nicht).

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Quelle: Das Bild zeigt das Protestplakat „Gegen den Tonfilm! Für lebende Künstler!” der Internationalen Artisten-Loge und des Deutschen Musiker-Verbandes; die Aktion in das Jahr 1929 verortet.