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Kenn KI plötzlich Mehrarbeit macht
Kenn KI plötzlich Mehrarbeit macht

Wenn KI plötzlich Mehrarbeit macht

Fachartikel — 25. Juni 2026

Christian Rechmann

Geschäftsführung | Strategie

Second-Order Work: Wenn der Einsatz von KI plötzlich Mehrarbeit erzeugt.

KI kann Arbeit deutlich reduzieren, klar! Doch in einigen Bereichen zeigt sich gerade ein gegenteiliger Effekt: Die eigentliche Arbeit beginnt oft erst nachdem der KI-Output erstellt wurde.

Ein Mitarbeiter chattet mit einer KI und produziert in wenigen Minuten Texte, Strategiepapiere, Präsentationen oder Analysen. Was früher Stunden gedauert hätte, entsteht jetzt in kürzester Zeit.

Auf den ersten Blick ein massiver Produktivitätsgewinn.

Doch der erzeugte Content bleibt nicht beim Ersteller. Er wandert durch Organisationen – zu Kollegen, Entscheidern, Kunden oder Partnern. Und damit entsteht ein Effekt, den man als Second-Order Work beschreiben kann, als “Arbeit zweiter Ordnung”.

Gemeint ist Arbeit, die nicht bei der Erstellung eines Inhalts entsteht, sondern durch seine Prüfung und Weiterverarbeitung. Jemand produziert etwas – andere müssen es lesen, verstehen, hinterfragen, korrigieren oder freigeben.

Die Protokoll-KI als einfaches Beispiel.

Jemand lässt im Videocall seine KI mitlaufen, um ein Protokoll zu schreiben und verschickt es im Anschluss an den Teilnehmerkreis – vielleicht sogar ohne es noch einmal gründlich geprüft zu haben. Theoretisch müssen nun alle Teilnehmenden das KI-generierte und oft sehr ausführliche Protokoll lesen, weil sich eine Person sich nicht die Mühe gemacht hat, es zu redigieren und auf das Nötigste zu komprimieren. In Summe also mehr Arbeit für das Unternehmen.

KI skaliert dieses Phänomen

Der Engpass Zeit verschiebt sich auf die Qualifikation der Inhalte, denn jedes KI-generierte Dokument beansprucht etwas, das weiterhin knapp ist: Aufmerksamkeit.

Für mich ist das eine Form von Informationsverschmutzung – nicht weil die Inhalte schlecht sind, sondern weil es zu viele davon gibt.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie Organisationen mit KI mehr Content produzieren können. Die spannendere Frage ist, wie sie verhindern, dass ihre Systeme und Entscheidungsprozesse mit immer mehr KI Slop überflutet werden.