

AI Company vernichtet Bücher und nennt das “Fair Use”
Fachartikel — 24. Juli 2026Christian Rechmann
Geschäftsführung | Strategie
Wie mehrere Medien letzte Woche berichten (u.a. SRF, watson, Gamestar) kauft ein kanadisches Unternehmen namens “Zoom Books” systematisch vergriffene Sachbücher aus europäischen Antiquariaten. Automatisiert, palettenweise und immer nur ein Exemplar pro Titel.
Sie scannen die Bücher und vernichten sie danach.
Der Grund dafür ist ein vermeintliches Schlupfloch im US-amerikanischen Urheberrecht. Die Logik lautet: Wer digitale Texte kopiert, riskiert Klagen. Wer das physische Exemplar kauft, scannt und vernichtet, könnte später argumentieren, es handle sich um „Fair Use”, also eine angemessene Nutzung, weil keine Kopien in Umlauf gebracht worden seien.
Mir scheint das widersinnig: Für einige Cent ein Buch kaufen, den Inhalt vollständig digitalisieren und dann behaupten, man habe ihn „erworben” – das ist keine faire Nutzung, sondern eine juristische Verrenkung, um die Idee des Urheberrechts auszuhöhlen.
> Das eigentliche Problem ist noch ein anderes.
Es geht um den zweiten Schritt: die Vernichtung der raren Exemplare vergriffener Sachbücher. Antiquariate funktionieren wie eine zirkulierende Bibliothek – vergriffene Titel kommen wieder in den Handel zurück. Werden sie systematisch geschreddert, konzentriert sich unser analoges Erbe unwiederbringlich auf die digitalen Kopien, als Daten in den Händen weniger Unternehmen.
Denkt man das weiter könnten Datenfirmen nach und nach ihren analogen Wettbewerb aus dem Markt kaufen – mit der Begründung, der Inhalt sei ja künftig über ihre KI abrufbar. Ohne für den eigentlichen Input zu bezahlen. Ohne Lizenz. Ohne Vergütung. Und das nennen sie dann “Fair Use”.
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Das Foto zu diesem Beitrag ist von Ed Robertson (Unsplash)